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Über Kômyôji -
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Buddhist.
Seminar

Der Name Kômyôji kommt von der japanischen Lesart für drei chinesische Schriftzeichen:


- heißt Licht, ein universelles Sinnbild für Erkenntnis und Orientierung.


- Myô wird aus den Symbolen für Sonne und Mond gebildet. Das Zeichen qualifiziert Licht somit als klar und glänzend. In einigen Zusammensetzungen verweist es auf den kommenden Tag oder die Zukunft. Wird es Mei ausgesprochen, kann es für Scharfblick, Klarblick, Einsicht und Erkenntnis bedeuten.

- Ji bezeichnet einen Tempel.

Das Wort Kômyôji steht somit für einen Ort, an dem das klare Licht der Erkenntnis in die Zukunft weisende Einsichten vermitteln soll, einen Ort an dem zu diesem Zweck unterschiedliche Sphären - Sonne und Mond - einander begegnen können.
Darum wurde Kômyôji symbolhaft als Name eines transkulturellen Projekts der Begegnung gewählt, das in der weltgeschichtlichen Phase der Globalisierung durch einen Dialog der geistigen Traditionen Asiens und Europas zu erhellenden Einsichten in individuelle und soziale Probleme beitragen möchte. 1994 von Volker Zotz unter besonderer Anteilnahme japanischer Interessenten und Förderer gegründet, entwickelte es unter Leitung des Gründers eine zunehmend breitere Perspektive im Hinblick auf einen eurasischen Humanismus und eine interkulturelle Spiritualität.


Eurasischer Humanismus

"Nachdem die wirtschaftliche Globalisierung nicht aufhaltbar ist, muss ihr eine solche des Geistes und der Werte entgegengesetzt werden, der sie als permanenter Widerspruch - wie ein bohrender Stachel im Fleisch - begleitet und relativiert. Eine wissenschaftliche ‚interkulturelle Philosophie', die beim Behandeln ihrer Gegenstände nichts Erwägenswertes aufgrund seiner geografischen oder traditionellen Herkunft ausklammert, mag hierzu einen hilfreichen Beitrag leisten. Doch geht es um weit mehr als eine akademische Disziplin.
Als wesentlicher Schritt auf dem Weg zu einer Globalisierung des Geistes wird eurasischer Humanismus notwendig, der aus dem Dialog der bedeutenden Traditionen menschlichen Bewusstwerdens in Asien und Europa eine transkulturelle Perspektive ermöglicht. Dieser Humanismus zielt weniger nach systematischer Konsistenz, obgleich ein schlüssiges Ordnen des zur Verfügung stehenden Stoffs seiner Sache nicht abträglich wäre. Doch über ein rein intellektuelles Aneignen des in anderen Kulturkreisen Verwirklichten hinaus bedarf es dessen existenzieller Integration. Der Dialog der Kulturen muss zum inneren Ereignis werden, das eine Bewusstheit hervorbringt, die eine der zusammenwachsenden Welt gemäße Orientierung erlaubt.
Eine kompromisslose Globalisierung des Geistes und der Werte bildet das Gegenteil jener Vereinheitlichung von Stadtbildern, Konsum- und Lebensgewohnheiten, die den Prozess ökonomischer Globalisierung kennzeichnet. Dies ergibt sich schon aus der Tatsache, dass die Hauptströme des Denkens in China, Indien und Europa von Beginn an abweichende Antworten auf Grundfragen des Menschen fanden. Trotz aller Unterschiede basiert jeder von ihnen auf authentischen Erfahrungen von Generationen und wird in seiner Folgerichtigkeit jedem nachvollziehbar, der sich halbwegs offen auf ihn einlässt. Gerade weil die Gesamtschau dieser Ströme keine glatte Synthese liefert und Widersprüchliches als berechtigt erkennen und wirken lassen muss, weist sie auf die Freiheit des Menschen in einem Pluralismus geistiger wie materieller Möglichkeiten - jenseits der Zwänge der vom Konsumismus beherrschten Gesellschaften."
(Volker Zotz: Konfuzius für den Westen. Neue Sehnsucht nach alten Werten. Frankfurt am Main 2007, S. 50-51)


Interkulturelle Spiritualität

"Zwar vermitteln traditionelle Bekenntnisse weltweit Zahllosen noch immer Orientierung. Doch erweisen sich die verzweifelten Hilfeschreie, die sich in den Fundamentalismen aller Prägungen zeigen, dass es vielen zu schwierig wird, ihren Glauben mit kindlich zwangloser Selbstverständlichkeit zu teilen oder nach tiefem Ringen für sich zu akzeptieren. Mögen die Weltreligionen für ihre mit Hingabe begnadeten Anhänger in sich vollkommen sein, spüren allenthalben Massen von Suchenden erhebliche Defizite, die sie vom Nähertreten abhalten. Kommen buddhistische Japaner nach Europa, um christlich zu heiraten, oder üben christliche Europäer sich in buddhistischen Meditationsformen, dokumentiert dies nicht allein Geschäftstüchtigkeit der Tourismus- und Seminarwirtschaft. Es zeigt sich hier neben den spirituellen Patchworkblüten nicht zuletzt auch ein sich ausbreitendes Empfinden elementarer kultureller Mängel. Das im Abendland auf Basis des Christentums gediehene Ideal der romantischen Zweierbeziehung ist in Japan ebenso ein Defizit wie das meditative Erfahren im real existierenden Christentum.
Es bedarf heute einer interkulturellen Spiritualität, wie sie aus der Begegnung der religiösen Überlieferungen Asiens und Europas entstehen kann. Das jüdisch-christlich Erbe des Abendlandes und das geistige Erbe Süd- und Ostasiens - wie der Buddhismus, Daoismus, Shintoismus und die spirituelle Wege Indiens - erfahren dabei im Licht jeweils anderer Traditionen ihre spezifischen Charakteristika in vertiefter Weise. Das Erkennen von Gemeinsamkeiten und Differenzen ermöglicht zudem eine gegenseitige inhaltliche und methodische Anregung, die im Respekt vor der Würde jeder einzelnen Tradition bewusst Eklektizismen, Synkretismen und äußerliches Gleichsetzen meidet."
(Volker Zotz: Konfuzius für den Westen. Neue Sehnsucht nach alten Werten. Frankfurt am Main 2007, S. 49-50

 

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