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Jôdô Shinshû - Das Tor ins Mahâyâna
Sieben Meister

 

Kursinfo

Shinran

7 Meister

Mahâyâna

Shinran baute seine Interpretation des Buddhismus auf den Werken von sieben bedeutenden Meistern des Mahâyâna auf, den Indern Nâgârjuna und Vasubandhu, den Chinesen Tanluan, Daochuo und Shandao sowie den Japanern Genshin und Hônen. Diese haben gemeinsam, dass sie einerseits anerkannte Gelehrte, Denker und Meditationsmeister, andererseits von einer tiefen Hingabe an den Buddha Amitâbha erfüllt waren. Shinran sah von diesen Meistern die Essenz des Mahâyâna vermittelt.

 

Nâgârjuna

Der indische Philosoph Nâgârjuna (ca. 150-250) lehrte "zwei Wahrheiten": Für die Wahrheit alltäglicher Wahrnehmung existieren alle Dinge genau so, wie sie dem Menschen erscheinen: Berge sind Berge, und Bäume sind Bäume. Für die Wahrheit tieferer Einsicht besteht alles in universellem Zusammenhang: Alle Dinge hängen in ihrer Existenz von anderen ab. Von Dingen, die nicht aus sich selbst existieren, kann aber gesagt werden, dass es sie eigentlich gar nicht gibt, dass sie "leer" sind. In dieser Leerheit sind Berge keine Berge und Bäume keine Bäume. Der auf dem Wege des Mahâyâna Fortschreitende erfährt beide Wahrheiten: Er schätzt die Berge als Berge und weiß doch um ihre bedingte und damit hinfällige Wirklichkeit. Daraus entspringt tiefe Weisheit, mit der er zum Nutzen anderer handelt.
Solche Weisheit aus Einsicht in die Leerheit wird nicht allein durch Denken erlangt, sondern bedarf zudem eines anstrengenden Weges der Meditation und ethischen Vervollkommnung. Für Shinran wurde besonders bedeutend, dass Nâgârjuna auch einen "Pfad der leichten Übung" kannte. Dieser besteht in unmittelbarer Hingabe an die Buddhas, wobei dem Buddha Amitâbha besondere Bedeutung zukommt.

 

 

 



Nâgârjuna

Vasubandhu

Gleichfalls ein einflussreicher Philosoph des indischen Buddhismus war Vasubandhu (4./5. Jahrh.), der eine Theorie des "nur Bewusstseins" vertrat: Ob Bäume als Bäume gesehen oder in ihrer Leerheit erkannt werden, beides spielt sich im Bewusstsein ab. Von allem, was der Mensch wahrnimmt, erlebt, fühlt, denkt und weiß, steht einzig fest, dass es bewusst wird. Welche objektiven Wahrheiten dem entsprechen und ob es jenseits des Bewusstwerdens überhaupt eine objektive Wahrheit gibt, lässt sich nicht sicher behaupten. Die höchste Einsicht erlangt vor diesem Hintergrund, wer die wahre Natur des Bewusstseins erkennt.
Den Weg zu dieser befreienden Selbsterkenntnis des Bewusstseins bilden wiederum selbst Bewusstseinsprozesse, die durch Meditation angeregt werden. Der die Unendlichkeit symbolisierende Buddha Amitâbha steht für das über seine Grenzen hinausgelangende Bewusstseins: Nach dem absichtlichen Entschluss, in die Sphäre des Buddha zu gelangen, führt die Konzentration auf diese zum Beruhigen des Geistes (shamatha). Man tritt in eine tiefe Sammlung (samâdhi), die unmittelbare Einsichten (vipashyanâ) in die Natur des Bewusstsein ermöglicht.

 

 




Vasubandu

Tanluan

Der chinesische Meister Tanluan (476-542) war vom Daoismus geprägt, vor dessen Hintergrund er sich dem Buddhismus zuwandte. Der Daoismus legt Wert auf die Lehre vom Nicht-Tun (wuwei): Der gewöhnliche Mensch stellt sich durch seine Ansprüche meist den natürlichen Rhythmen des Daseins entgegen. Doch wer sich selbst zurücknehmen kann, um nicht als egozentrischer Täter der Natur seinen beschränkten Willen aufzuzwingen, wird zum Nicht-Täter. Er kann spielerisch und frei von Anstrengung im natürlichen Fluss des Daseins fließen.
Auf Basis dieser Ideen wurde für Tanluan die Unbeschwertheit des Übens bedeutend. Was in Nâgârjunas Lehre vom "Pfad der leichten Übung" als Möglichkeit anklang, wurde von Tanluan weiter praktiziert und gedacht: Der Mensch muss die ihn übersteigende, von Buddha Amitâbha verkörperte höhere Wirklichkeit nicht durch Anstrengungen seiner "eigenen Kraft" erobern. Wenn er sich ihr in Hingabe öffnet, wird er von deren "anderer Kraft" erfasst und verwandelt. Tanluans Unterscheidung der "eigenen" und der "anderen Kraft" führte Shinran zu seiner Erkenntnis der Spontaneität des Buddhawirkens, in dem sich für egoistische Berechnungen des Übenden kein Raum findet.

 

 

 


Tanluan

 

Daochuo

Der chinesische Mönch Daochuo (562-645) betrachtete Nâgârjunas Lehre vom schweren und leichten Pfad in systematischem Zusammenhang mit jener Tanluans von der eigenen und anderen Kraft. In letzter Hinsicht sah er für Menschen, die den Weg des Mahâyâna gehen wollen, gar keine Wahlmöglichkeit zwischen dem schweren Pfad der eigenen Kraft und dem leichten der anderen Kraft: Wer ganz auf sein eigenes Vermögen und damit auf sich selbst baut, geht zwangsläufig in die Irre. In der Hingabe an das Höchste, wie es sich in Buddha Amitâbha zeigt, kann der einzelne jedoch seine Begrenzungen sprengen und über sich selbst hinauswachsen.
Für Shinran sollte besonders wichtig werden, dass Daochuo großen Nachdruck auf das Aussprechen des Namens des Buddha Amitâbha legte. Daochuo empfahl das Rezitieren des Namens nicht allein im Zusammenhang der Meditation über die visuelle Erscheinungsform Amitâbhas. Auch unabhängig vom Visualisieren konnte der Name als direkte Möglichkeit der Begegnung mit dem Höchsten wirken. Daochuo selbst soll nach der Legende 70.000mal am Tag den Namen des Buddha rezitiert haben.

 

 

 


Daochuo

 

     

Shandao

Daochuos Schüler Shandao (631-681) lehrte einen Meditationsweg, mit präzisen Anleitungen zur Schau des Amitâbha: "Die Kopfhaut ist golden, das Haar dunkelblau. Jedes Haar auf dem Kopf ist gelockt, der Schädel schneeweiß und durchsichtig. Das Hirn gleicht einem Kristall mit vierzehn Adern. Jede Ader sendet vierzehn Strahlen durch die Haarfollikel aus. Diese umkreisen siebenmal das gelockte Haar und kehren durch die Haarfollikeln zurück." Die Übung des Visualisierens dieser glänzenden und transparenten Gestalt sollte auf die Begegnung mit der gestaltlosen höchsten Wirklichkeit vorbereiten.
Shinran schätzte Shandaos Gleichnis von den "zwei Strömen und dem weißen Pfad": Ein von Räubern und wilden Tieren gehetzter Wanderer muss, um sich zu retten, den schmalen Pfad über den Zusammenfluss zweier reißender Ströme nehmen. Im Moment tiefster Verzweiflung hört er von hinter sich und auch vom anderen Ufer ermunternde Zurufe. Der Wanderer steht für den Menschen, der von der Begrenztheit zur Unbegrenztheit strebt, den jedoch Furcht zurückhält. Die ermutigende Stimme von hinten steht für Buddha Gautama, dessen Wort aus der Vergangenheit anspornt, jene von vorn für Amitâbha, der als Ziel den Strebenden anzieht.

 

 

 


Shandao

 

     

Genshin

Der japanische Mönch Genshin (942-1017) trat als fruchtbarer Schriftsteller hervor, dem 170 Werke zugeschrieben werden. Darüber hinaus war er ein geschätzter bildender Künstler. Sein einflussreiches literarisches Werk Ôjôyôshû, das bisweilen mit Dantes Göttlicher Komödie verglichen wird, ist der Lehre vom Land des Buddha Amitâbha gewidmet. Es enthält eindrucksvolle Darstellungen der Höllenreiche, die bildhaft für die Zustände und Befindlichkeiten jener Menschen stehen, die sich von der Wahrheit entfernten und in egoistischen Scheinwelten verrannten. Den Höllenreichen stehen die Freuden des Reinen Landes von Buddha Amitâbha als Bilder der Befreiung gegenüber.
Genshin empfahl in seinem Werk das Visualisieren der Gestalt des Amitâbha mit ihren herausragenden Merkmalen. Jenen, die solche Meditationen überfordern, riet er, den Namen des Amitâbha zu wiederholen und dies mit einfachen Vorstellungen einer Begegnung mit dem Buddha zu verbinden. Genshin beschäftigte sich auch mit Riten, die Sterbende auf ihrem letzten Weg durch eine Hinwendung zu Amitâbha stärken konnten.

 

 

 


Genshin

 

     

Hônen

Unmittelbarer Lehrer Shinrans war der Mönch Genkû, genannt Hônen (1133-1212). Selbst ein bedeutender Gelehrter und Meditationsmeister, wandte er sich dem einfachen Volk zu und betonte das Vertrauen zum in Amitâbha verkörperten Höchsten als wichtigsten Aspekt des buddhistischen Weges. Keine komplexen Meditationsübungen, großen materiellen Spenden oder andere Leistungen könnten den Menschen der Befreiung näher bringen, so Hônens Botschaft, fehlte die vertrauende Hingabe zum Ganz Anderen. Letztlich befreit diese vertrauensvolle Hinwendung einen Menschen, würde er auch nur ein einziges Mal den Namen des Buddha Amitâbha aussprechen. Das Erwachen solchen Vertrauens erfordert, dass man sich selbst als ohnmächtiger Narr erkennt, der aus eigener Kraft seine Beschränkungen nicht wirklich zu übersteigen vermag.
Hônen reklamierte die "Schule vom Reinen Land" als eigenständige Tradition innerhalb des Buddhismus. Hatten der Buddha Amitâbha, sein Land und das Aussprechen seines Namens in vielen Richtungen des Mahâyâna eine Rolle gespielt, stellte Hônen diese in den Mittelpunkt.

 

 


Hônen

 

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