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: himmlische lust

 

Himmlische Lust

10. Juli 2012

Die Journalistin Birgit Schönberger führte ein ausführliches Gespräch mit Volker Zotz über das Verhältnis von Sexualität und Spiritualität in der indischen Tradition. Themen des Interviews waren hauptsächlich das Kamasutra und Fragen des Tantra. Das Resultat liegt unter dem Titel „Vergesst das Vorspiel nicht“ im von Klaus Hofmeister und Lothar Bauerochse herausgegebenen Buch „Himmlische Lust. Religion und Sexualität – eine spannungsreiche Beziehung“ vor.

 

 




Ein Auszug:
„[...] Volker Zotz glaubt, dass durch Schlagworte wie Kamasutra und Tantra in Europa ein schiefes und übertrieben sinnenfrohes Bild der indischen Spiritualität entstanden ist. ‚Ein großer Teil der indischen Spiritualität hat die Sexualität mindestens genauso restriktiv betrachtet, wie das in Europa der Fall gewesen ist, und eher die zölibatäre Lebensweise als das Höchste propagiert.’
Der Autor des Kamasutra schreibt, er habe sein Werk in ‚Keuschheit und höchster Versenkung’ geschrieben. Doch wie passt das zusammen – Keuschheit und Techniken zur Steigerung der Leidenschaft? Für Volker Zotz ist das kein Widerspruch. Die Erotik beruhte zur Zeit Vatsyayanas genauso wie die Askese auf Körperkontrolle. Der Autor des Lehrbuchs zählt sämtliche Verführungstechniken, Stellungen und Praktiken auf, um seine Leser aufzuklären, damit sie aus ihrem Wissen heraus jeweils entscheiden können, wohin sie sich wenden und wann sie den Weg der Entsagung wählen. Volker Zotz fasst die Botschaft des Buches so zsammen: „Sei vollständig in deinen Kenntnissen einer Materie, aber beschränke dich dann in deinem Tun.“


Als Beispiel führt Volker Zotz das Kapitel über die Verführung der Frau eines anderen an. ‚Wenn sie ihn sieht, blickt er sie beständig an, gibt Zeichen, glättet sein Haar, schnippt mit den Nägeln, klimpert mit Schmuck, nagt an der Unterlippe und vollführt weitere solcher Gespreiztheiten. Sieht sie herüber, spricht er mit seinen Freunden über sie, indes sie vorgeblich über etwas anderes reden. Er zeigt seine Großzügigkeit und seine Freude an Vergnügungen.’ Nachdem der Autor in allen Einzelheiten sämtliche Tricks und Kniffe beschrieben hat, die Angebetete für sich zu gewinnen, spricht er eine Warnung aus. Man solle sich nicht darauf konzentrieren, eine fremde Frau zu verführen, sondern seine eigene Frau glücklich zu machen. Das ist für den Autor Sinn des Kama: eigenes Glück zu gewinnen und nicht das Glück eines anderen zu zerstören.

Für den Religionswissenschaftler Volker Zotz ist das Kamasutra kein spirituelles Buch. An einigen Stellen bestehen jedoch Bezüge zu den großen spirituellen Wegen: „Die meisten Wege haben das Ziel, die Sexualität ab einem bestimmten Punkt zu überwinden. Der Grundgedanke der indischen Philosophie lautet jedoch: Man kann erst loslassen, nachdem man das gesamte Spektrum dessen, was möglich ist, kennt. Man kann nur entsagen als Besitzender oder als Genießender. Aus der Not eine Tugend zu machen, weil man arm ist oder keine Frau bekommen hat, das ist nicht das wirkliche Loslassen.“
Volker Zotz verweist auf die Lebensgeschichte des Buddha, der als Königssohn in Saus und Braus gelebt hat und das Liebesleben mit zahlreichen Gespielinnen ausgekostet hat, bevor er den Weg der extremen Askese ging, Erleuchtung erlangte und schließlich den mittleren Weg lehrte. Die Erkenntnis ist nach Buddha weder in exzessiver Weltabgewandtheit noch in einer den materiellen Dingen verhafteten Lebensweise zu finden.
Dass Kamasutra und Tantra im Westen oft in einem Atemzug genannt werden, hält Volker Zotz für ein großes Missverständnis [...]“

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"Indem man etwas macht, was auch immer es sei, macht man auch sich zu etwas. Dies bedeutet auf der anderen Seite, dass man ohne Schaffen letztlich nichts wäre. Schelling hat das deutlich gesehen, als er meinte, im Produzieren entkomme der Mensch dem Nichts, denn dabei ist er ‚nicht mit sich selbst, sondern mit etwas außer sich beschäftigt.' Gott, meinte der Denker, sei deswegen vollends selig, ‚weil seine Gedanken immerwährend in dem sind, was außer ihm ist, in seiner Schöpfung.' Wer dem Abgrund der Leere entkommen will, die er für sich selbst wäre, muss etwas hervorbringen."
"Einst im Paradies. Volker Zotz über den Fluch und Segen der Arbeit." Ursache&Wirkung Nr. 43 (2003), S. 31.

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