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: dasein im wandel

20. September 2012

Das Psychiatrische Krankenhaus in Lohr in Unterfranken, das jährlich 8000 Patienten behandelt, feiert im Jahr 2012 sein 100-jähriges Bestehen. Volker Zotz war aus diesem Anlass am 14. September zu einem philosophischen Vortrag vor Psychiatern und Psychotherapeuten eingeladen, über den die Tageszeitung Main-Post am 19. September berichtete:
„Im Rahmen der 100-Jahr-Feier des Bezirkskrankenhauses in Lohr stand ein medizinisch-philosophisches Symposium unter dem Titel „Dasein im Wandel“.


Professor Dr. Volker Zotz machte daraus „Dasein im Wandel – Wandel im Dasein“. In seiner Einleitung bekannte Dr. Dominikus Bönsch, ärztlicher Direktor und Chefarzt am Bezirkskrankenhaus: ‚Ich bin ein großer Fan seiner Bücher, die ich auch gerne meinen Patienten empfehle.’
Die öffentliche Auftaktveranstaltung des Symposiums wurde von Anette Heinz, Gesang, Marco Netzband, Klavier, Tobias Schirmer, Schlagzeug und Wolfgang Kriener, am Kontrabass umrahmt. Das Quartett machte den Wandel in der Musik von Swing zu Blues erfahrbar.
Zotz, den Bönsch als Religionswissenschaftler und Philosophen vorstellte, würdigte die gesangliche Leistung von Heinz und meinte es sei ein gutes Zeichen, ‚wenn in einem Krankenhaus den Ärzten das Singen nicht vergeht.’ Er sah sich in dem Widerspruch, banal und verständlich oder philosophisch und unverständlich sprechen zu müssen. Letztendlich führte er seine Zuhörer geschickt in einen philosophischen Exkurs.

So sei die Fähigkeit, sich wundern zu können, eine große Begabung des Philosophen. ‚Dasein im Wandel – Wandel im Dasein’ schon der Titel der Rede sei widersprüchlich, das Sein statisch, der Wandel dynamisch. ‚Es ändern sich Dinge drastisch’, banalisierte Zotz, um gleich aufzuzeigen, dass der Wandel, den wir erleben, der größte Umbruch in Europa seit der Antike sei, vergleichbar mit der Transformation des Heidentums zum Christentum. Das Menschenbild habe sich auch durch die Psychiatrie stark gewandelt. Wir stünden in einer Wertekrise, geprägt von Orientierungslosigkeit. Dem enormen Entscheidungsdruck, der entstehe durch die vielen Möglichkeiten, könne sich kaum jemand entziehen.

Zotz nannte als Beispiel die vielen Handymarken, die es gibt. Inzwischen empfinde man den Zustand des Umbruchs als normal: ‚Wir flüchten in Banalität und beschäftigen uns mit Belanglosem, Banalität als Ablenkung. Philosophie, die Liebe zur Wahrheit, beginnt mit dem Staunen. Normalerweise staunt man über Außergewöhnliches, wenn zum Beispiel ein Ufo landet. Der Philosoph wundert sich über Selbstverständliches, dass er da ist.’
Zotz zelebrierte langsam und betonte diese Worte. ‚Was mein Dasein ausmacht, ist Bewusstsein. Mein Dasein ist ein bewusst werden.’ Um eine für unsere Kultur entscheidende Denkweise zu analysieren, erzählte Zotz eine kleine Situation zwischen ihm und seinem Verleger: Während er mit dem Verleger spricht, wird dieser angerufen und vertröstet den Anrufenden mit den Worten: ‚Wenn ich eigentlich bin, rufe ich zurück.’ Die Tatsache, dass wir eigentlich und eben auch nicht eigentlich sein können, führt Zotz auf Platon zurück, der versucht hatte, zwei Thesen, die schon vor 2500 Jahren in Asien kontrovers geführt wurden, zusammenzubringen. Die These, es gibt ein unteilbares Individuum, stand der Aussage, eigentlich gibt es mich als Individuum gar nicht, gegenüber. Mit der Frage: ‚Gibt es etwas wie Individualität oder gibt es nur den radikalen Wandel’ hatte er den Zuhörer schon längst der philosophischen Denkweise überführt. Voller Ironie, oder war es Bescheidenheit, schließt Zotz: ‚Die Stunde der Banalität ist um.’“

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"Indem man etwas macht, was auch immer es sei, macht man auch sich zu etwas. Dies bedeutet auf der anderen Seite, dass man ohne Schaffen letztlich nichts wäre. Schelling hat das deutlich gesehen, als er meinte, im Produzieren entkomme der Mensch dem Nichts, denn dabei ist er ‚nicht mit sich selbst, sondern mit etwas außer sich beschäftigt.' Gott, meinte der Denker, sei deswegen vollends selig, ‚weil seine Gedanken immerwährend in dem sind, was außer ihm ist, in seiner Schöpfung.' Wer dem Abgrund der Leere entkommen will, die er für sich selbst wäre, muss etwas hervorbringen."
"Einst im Paradies. Volker Zotz über den Fluch und Segen der Arbeit." Ursache&Wirkung Nr. 43 (2003), S. 31.

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