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: durch lust zur freiheit

Durch Lust zur Freiheit

Februar 2014

In der 87. Ausgabe der Zeitschrift Ursache&Wirkung (Frühjahr 2014) fragte der Herausgeber Prof. Dr. Peter Riedl in einem Interview mit Volker Zotz unter anderem: „Hält man tantrische Praktiken geheim, weil die herrschende Gesellschaft sie nicht versteht?“ Volker Zotz antwortete: Das ist sicher ein Grund. Weil Gesellschaften Stabilität wollen, streben sie nach Normalität. Tantriker, die ständig Grenzen überschreiten, werden als subversiv empfunden. In klassischer Zeit brachen sie Tabus durch das Schlürfen verbotener Getränke aus der Schädelschale, das Essen Ekel erregender Substanzen und durch Riten, die andere als sexuell ausschweifend empfanden.

 


Aber eigentlich besteht das Geheimnis nicht so sehr in objektiven Inhalten, die man vor anderen verbirgt. Vieles, was im alten Indien Eingeweihte von Mund zu Ohr empfingen, ist heute in Übersetzungen in jeder halbwegs gut bestückten Bibliothek und im Buchhandel zu haben. Trotzdem ist das Geheimnis in keiner Weise gelüftet. Es besteht in dem, was sich zwischen Menschen vollzieht, die einander Inspiration und Impulse geben, und dem, was sich dabei in ihnen abspielt. Weil das Geheimnis im Erleben liegt, kann es letztlich gar nicht verraten werden.“
In derselben Ausgabe der Zeitschrift schreibt Volker Zotz in seinem Beitrag Durch Lust zur Freiheit: „Für Vertreter asketischer Richtungen verhindert der Lebenstrieb die Freiheit im spirituellen Sinn. Darum wollen sie, ‚wie der Fuß den Kopf der Schlange’ umgeht, ihrem Geschlechtstrieb ausweichen. Jenen indischen Strömungen, aus denen Tantra wuchs, gilt dies schlicht als unmöglich. Im Epos Mahābhārata sagt der Gott Kāma: ‚Ich bin der Ewige, den kein Wesen zu töten oder vernichten vermag.’ Kāma erklärt, wie er sogar in die Gestalt der Askese schlüpft, weshalb jeder, der seiner Sinnlichkeit zu entsagen glaubt, letztlich doch wieder ihm dient.
Mit anderen Worten: Wer glaubt, der Lust auszuweichen, unterliegt ihr unwissentlich. Das Sexuelle gehört wie das Verlangen nach Luftholen und Flüssigkeit zum Menschsein. Jemand, der nur sein Ego sieht, mag der Illusion verfallen, sein Trieb ließe sich zum Schwinden bringen. Anders als beim Vermeiden des Atmens und Trinkens stirbt der Einzelne nämlich nicht, wenn er es sich am Unterdrücken des Geschlechtlichen versucht. Doch gäbe es ihn und sein Streben nach Befreiung ohne den Trieb unzählbarer Generationen vor ihm gar nicht. Ohne zu atmen und zu trinken wäre der Einzelne bald tot; ohne Koitus hätte es ihn nie gegeben. Etwas für das Menschsein derart Grundlegendes lässt sich nach Auffassung klassischer Tantriker nur um den Preis der Freiheit ausblenden.“

 

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"Indem man etwas macht, was auch immer es sei, macht man auch sich zu etwas. Dies bedeutet auf der anderen Seite, dass man ohne Schaffen letztlich nichts wäre. Schelling hat das deutlich gesehen, als er meinte, im Produzieren entkomme der Mensch dem Nichts, denn dabei ist er ‚nicht mit sich selbst, sondern mit etwas außer sich beschäftigt.' Gott, meinte der Denker, sei deswegen vollends selig, ‚weil seine Gedanken immerwährend in dem sind, was außer ihm ist, in seiner Schöpfung.' Wer dem Abgrund der Leere entkommen will, die er für sich selbst wäre, muss etwas hervorbringen."
"Einst im Paradies. Volker Zotz über den Fluch und Segen der Arbeit." Ursache&Wirkung Nr. 43 (2003), S. 31.

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