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: sage etwas oder schweige

Sage etwas oder schweige. Ausgewählte Koans

August 2015

Das neue Buch von Volker Zotz vereint Kōans aus klassischen Sammlungen Ostasiens. Als »Kōans« bezeichnet der Zen-Buddhismus Chinas, Koreas und Japans Aphorismen oder Episoden, deren Aussagen zunächst undurchsichtig erscheinen, weil sie widersprüchlich sind oder keinen unmittelbaren Sinn erkennen lassen.

Aus der Einleitung:

„Als der Koch dem Gärtner zu essen gab, sang ein Vogel. Der Gärtner klopfte mit dem Finger auf die Armlehne des Holzstuhls, worauf der Vogel wiederum sang. Als der Gärtner ein zweites Mal klopfte, sang der Vogel nicht. Darauf fragte der Gärtner den Koch: ‚Begreifst du das?‘ Der Koch sprach: ‚Nein.‘ Da klopfte der Gärtner ein drittes Mal.“

Der tiefere Sinn dieses kurzen Gesprächs zwischen Gärtner und Koch erschließt sich beim ersten Lesen nicht. Vielleicht weiß man zunächst gar nicht, worauf der Text hinaus will. Eventuell gerät man auf eine Spur. Aber ist es die richtige? Und welche weiteren Ahnungen tauchen beim zweiten Lesen auf, beim dritten und jedem folgenden? Die wenigen Zeilen führen jeden, der sich ernsthaft auf ihren Inhalt und die Möglichkeiten seiner Deutung einlässt, in ein ausgedehntes Spiegellabyrinth. Hier wirft jeder klärende Gedanke, wird er an anderen Einfällen reflektiert, neue Fragen auf den Betrachtenden zurück. Doch warum beschäftigt man sich überhaupt mit solchen Geschichten?

Die Episode mit Vogel, Gärtner und Koch soll sich im 9. Jahrhundert im Garten eines chinesischen Klosters zugetragen haben, in dem der buddhistische Meister Nanquan Puyuan (ca. 750–830) lehrte. Die oben zitierte Fassung basiert auf der Wiedergabe in Tetteki tōsui, einer Sammlung von Kōans des japanischen Meisters Genrō Ōryū (1720–1813). Der Titel des Werks wirft Licht auf die Absicht solcher Texte. Tetteki heißt „Eisenflöte“, tōsui bedeutet: „verkehrt herum blasen“. Der Titel der Kōan-Anthologie des Genrō Ōryū beschwört also das Bild eines Instruments, das von unten nach oben geblasen wird. Genau dahin zielen derartige Texte: Das uns Vertraute soll auf den Kopf gestellt, also grundlegend verändert werden.

Mit der eben getroffenen Feststellung über den Zweck eines Kōan hätte man sich bei den alten Meistern viele Stockhiebe eingehandelt. Sie wollten die Wirklichkeit so radikal umdrehen, dass auch die Kategorien von Mittel und Zweck keinen Platz mehr haben...

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"Indem man etwas macht, was auch immer es sei, macht man auch sich zu etwas. Dies bedeutet auf der anderen Seite, dass man ohne Schaffen letztlich nichts wäre. Schelling hat das deutlich gesehen, als er meinte, im Produzieren entkomme der Mensch dem Nichts, denn dabei ist er ‚nicht mit sich selbst, sondern mit etwas außer sich beschäftigt.' Gott, meinte der Denker, sei deswegen vollends selig, ‚weil seine Gedanken immerwährend in dem sind, was außer ihm ist, in seiner Schöpfung.' Wer dem Abgrund der Leere entkommen will, die er für sich selbst wäre, muss etwas hervorbringen."
"Einst im Paradies. Volker Zotz über den Fluch und Segen der Arbeit." Ursache&Wirkung Nr. 43 (2003), S. 31.

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