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Breton

André Breton
Reinbek bei Hamburg: Rowohlt Verlag 1990
158 Seiten
ISBN 3-499-50374-3
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André Breton war Dichter, Kunsttheoretiker, politischer Denker und Aktivist, Philosoph, Organisator der Pariser Avantgarde. Die Reihenfolge dieser Etiketten ist beliebig, keine von ihnen passt ganz genau. Der Kunstwissenschaft gilt er als Theoretiker einer der zahlreichen Richtungen der Moderne, der Literaturgeschichtsschreibung als Initiator des so genannten automatischen Textes. Sein Einfluss auf das politische Bewusstsein von Künstlern und Literaten in Paris der Zwischenkriegszeit ist offensichtlich. Die von ihm organisierten Veranstaltungen, seine Zeitschriften und Ausstellungen dienten vielen als Forum, deren Namen heute zum Kulturkanon Frankreichs und der Welt gehören. Bei Breton lassen sich die unterschiedlichen Aspekte seines Werkes nicht voneinander trennen: Sein gesamtes Schaffen ist Ausdruck eines Erkenntniswegs und einer daraus gewonnenen Weltsicht, seines "Surrealismus".


… Die offizielle Würdigung, die Breton zeit seines Lebens ablehnte, ist nach dem Tod nicht ausgeblieben. Paris hat mittlerweile eine ‚Allée André Breton', einen Fußweg auf dem Areal der ehemaligen Markthallen, nur wenige Minuten vom ‚Chien qui fume' (‚Rauchender Hund'), einem einstmals typischen Lokal dieser Gegend, das in ‚Tournesol' erwähnt wird. Das Viertel der Markthallen gehörte zum Paris der Surrealisten mit seinen geheimnisvollen Plätzen und mythischen Orten. Was hätte Breton von der Entzauberung der Stadt gehalten, vom Abreißen der Hallen und ihrer Ersetzung durch ein unterirdisches Einkaufszentrum, darüber ein langweiliger Park, in dem ein Fußweg seinen Namen trägt? Gerade weil diese Gegend mit dem Werk der Surrealisten in Verbindung steht, erscheint eine solche Verewigung Bretons leicht als Zynismus. Man mag sie auch als Symbol für die Rezeption Bretons und seines Surrealismus sehen. […]
Der surrealistische Marxismus mit seinem Ruf nach Aufhebung der gesellschaftlichen Widersprüche ist wie der surrealistische Anarchismus eine konkrete Konsequenz des globaleren Verlangens nach Überwindung aller Gegensätze dieser Welt und damit der Welt selbst. Dichten, Malen und Spielen, selbst die Liebe und im weiteren Sinn das ganze Leben waren für Bretons Surrealismus rituelle Instrumente dieser Weltüberwindung im eigenen Bewußtsein. Es war die Suche nach dem ‚geistigen Standort, von dem aus Leben und Tod, Reales und Imaginäres, Vergangenes und Zukünftiges, Mitteilbares und nicht Mitteilbares, Oben und Unten nicht mehr als widersprüchlich empfunden werden.' Ist der Surrealismus demnach eine ‚materialistische Mystik'? Der Widerspruch, der in einer solchen Wendung steckt, ist jener des Surrealismus selbst. Breton sagte 1952 in einem Rundfunkinterview über das erstrebte Bewußtsein: ‚Es sieht mir nach wie vor so aus, als würde auf diesem Stand... der alte Gegensatz zwischen Idealismus und Materialismus seinen Sinn verlieren' - die Utopie einer Erfahrung, die in kein bestehendes philosophisches Weltbild zu passen scheint. …"
André Breton, S. 137-139


Pressestimmen

"… Da André Breton verfügt hatte, dass bis zum Jahre 2016 seinen Nachlaß unter Verschluß zu halten sei, kann man von der erste deutschen Monographie, die Volker Zotz soeben vorlegte, keine biographische ‚Enthüllungen' erwarten. In klassischer Manier zeichnet der Verfasser den Weg nach, den der vom Medizinstudenten Breton zum Schriftsteller, dann zum Initiator des Surrealismus im Jahre 1924 führte. […] Was bleibt? ‚Nadja', ‚Amour fou', unzählige poetologische, kunst- und ideologiekritische Essays. Und das Bild eines Ideenmultiplikators, eines Sehers, auch eines verhinderten Religionsstifters. Vor allem aber das eines Unbestechlichen, dessen Nonkonformismus einst in dem Satz ‚Laßt alles fahren!' gipfelte. …"
Bernd Mattheus in DIE ZEIT Nr. 46 - 9. November 1990.


"… Nach Elisabeth Lenks Studie Der springende Narziß, 1971 in kleiner Auflage erschienen, legte Volker Zotz jetzt die erste populäre Darstellung von Bretons Lebenswerk in deutscher Sprach vor. […] Der Surrealismus war weder nur eine Kunstrichtung noch die Schule des automatischen Schreibens, nicht einmal eine Philosophie. Für Breton bedeutete Surrealist zu sein eine Lebensweise. Die theoretischen Formulierungen in Büchern skizzieren lediglich ein ‚Koordinatensystem', mit dem der einzelne sich im überwirklichen Ganzen zurechtfinden kann. Surrealismus ist eine poetische Perspektive, die sich im Alltag, jenseits von Gemälden, Objekten und Schriftstücken, ausdrückt. Ein moderner Mythos, eine umfassende Welterzählung, in der Marxismus und Psychoanalyse vereinbar werden, Okkultismus und Buddhismus wie zwei Seiten derselben Sache erscheinen. …"
Uwe Ruprecht: "Liebe, Wahnsinn und Zauberei - Volker Zotz' ‚André Breton'" in TAZ 25.5.1990

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